1000 Jahre Wathlingen: Das Forsthaus

(mt) Wem fällt hier nicht gleich Loriots schwarzhumoriges Adventsgedicht ein? Aber keine Sorge, in unserem Forsthaus fand kein Gattenmord statt. Der Hinweis auf den Beruf des Bewohners ist nicht zu übersehen: Am Giebel des Hauses in der Straße „Alter Hof“ prangt ein kapitales Geweih, darüber 1888 als Baujahr.

Der Blick der Deutschen auf ihren Wald änderte sich im Laufe des 18. Jahrhunderts. Langsam aber stetig erkennen die Verantwortlichen, dass der Wald keine schier unerschöpfliche Rohstoff- und Nahrungsquelle ist, sondern ebenso zu bewirtschaften ist wie ihre Felder. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kommt es dann allerorts noch zu Agrarreformen. Auch in Wathlingen wurden damals die bisher gemeinsam genutzten Waldbestände zwischen dem Dorf und dem Gut aufgeteilt. Kein einfaches Unterfangen, denn es ging um Einkünfte und Besitz und so dauerte es gut 50 Jahre, bevor sich die Beteiligten 1875 in einem Vertrag einigten.

13 Jahre später wurde das Forsthaus errichtet, in dem es neben den Wohnräumen für die Familie ein halb öffentliches, halb privat genutztes Dienstzimmer des Försters gab und eine Wildkammer, in der das erlegte Wildbrett über Nacht abhing und dann vom Förster gehäutet und zerlegt wurde.

Als der studierte Forstmann Hans von Lüneburg das Gut erbte, stellte er 1924 den Förster Reimers ein, der mit seiner Familie bis zu seinem Ruhestand Anfang der 50er-Jahre das Haus bewohnte. Seine Aufgaben waren die Waldbewirtschaftung von der Pflanzung bis zum Einschlag und Verkauf des Holzes, die Aufsicht über die Waldarbeiter und die Hege des Wildbestandes. Seine aus Pommern stammende Ehefrau pflegte ein ausgesprochen gutes Verhältnis zur Gutsherrin Anna von Lüneburg, geb. von Klencke. Als bei Kriegsende die britischen Besatzungstruppen das Gutshaus besetzten, zogen die Familien von Lüneburg und von Reden ins Forsthaus, das unter der Regie von Frau Reimers in dieser schweren Zeit ein sicheres Domizil war.

Auf Förster Reimers folgte Alois Kater, dessen hohe Professionalität und Tüchtigkeit den heutigen Altwathlingern noch in Erinnerung ist. Er stand bis 1973 im Gutsdienst. Dann waren es ökonomische Zwänge, die zur Aufgabe der Försterstelle zwangen. Aktuell ist das Forsthaus entkernt und es werden dort Wohnungen eingerichtet.

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