1000 Jahre Wathlingen: Nach nur 33 Jahren wieder abgerissen

(mt) Auf dem Villeparisis-Platz stehen heute ein Penny-Markt und ein Altenheim. Nichts erinnert mehr an das „Wathlinger Bürgerhaus“.

Landauf und landab gab es in den 60er-Jahren heftige Diskussionen um das Für und Wider von Dorfgemeinschaftshäusern. Unser Dorf hatte nach dem Zuzug von Flüchtlingen nach dem Krieg und durch die Siedlungsaktivität in den 60er-Jahren eine Verdopplung der Einwohnerzahl auf 4800 erlebt, was den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft erheblich belastete. Um Abhilfe zu schaffen, gab es seit 1959 im Rat immer wieder Vorstöße eine Begegnungsstätte für Alt- und Neubürger zu bauen. Dringender waren zunächst aber Investitionen in die Infrastruktur wie Straßenbau, Trinkwasserversorgung, ein Klärwerk und eine große Turnhalle.

Am 7. Mai 1980 beschloss der Rat endlich das Dorfgemeinschaftshaus. Den Architektenwettbewerb gewann eine Braunschweiger Architektengruppe. Für knapp 4 Millionen D-Mark entstand ein raumbildender und kompakter Flachdachbau, dessen Raum- und Deckenflächen kräftige und sichtbare Holzbinder gliederten. Kern des Hauses war der 440m² große Veranstaltungssaal mit ca. 500 Plätzen. Unter dem Dach gab es auch 4 Clubräume für Vereine, ein Restaurant und die Dorfbücherei. Den Grundstein legte am 31. Juli 1980 Bürgermeister Heinz Homann (verstorben am 5. Februar 1981). Nach etwa zehnmonatiger Bauzeit eröffnete sein Nachfolger Bürgermeister Hans-Wilhelm von Reden am 4. Juni 1981 den Bau. Den Wettbewerb um den Namen des Gebäudes gewann ein Nienhagener Bürger mit dem Vorschlag: „Wathlinger Bürgerhaus“.

In den folgenden fast drei Jahrzehnten prägte das Bürgerhaus das gesellschaftliche Leben des Dorfes. Dann lief ein Renovierungsstau auf und Planungsversäumnisse wurden sichtbar. „Vom Energetischen betrachtet, war das Bürgerhaus völlig vermurkst. Das Dach war nicht isoliert und nicht dicht zu bekommen.“, erinnert sich heute eine damalige Ratsfrau. Hinzukam, dass die Konstruktion Lärm in den Untergrund leitete und Feiern so zu einer Belastung für die Anwohner wurden. Als ein Anlieger erfolgreich Beschwerde führte, verbot der Landkreis die weitere Nutzung. Alle Veranstaltungen im Bürgerhaus mussten um 22.00 Uhr enden. Unter diesen Bedingungen war das Haus nicht mehr wirtschaftlich zu führen.

Obwohl eine kleine Gruppe lautstark protestierte, wurde das Wathlinger Bürgerhaus im Spätherbst 2012 nach nur 33 Jahren abgerissen. Seine Funktionen übernahm der 4G-Park an der Kantallee.

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