1000 Jahre Wathlingen: Neue Nutzung für das Küsterhaus

(mt) Aus dem Jahr 1604 stammt der älteste Nachweis einer Schule in Wathlingen, die in der Küsterei untergebracht war. Der Küster war damals auch Organist und Dorfschullehrer und versorgte sich und seine Familie obendrein durch seine kleine Landwirtschaft. Das große Feuer, das am 25. Mai 1695 in einem Gebäude am nördlichen Rande des Kirchhofs ausbrach und zwei Drittel des Dorfes vernichtete, zerstörte auch die alte Küsterei. Die Dörfler legten sich mächtig ins Zeug und bereits im darauf folgenden Jahr war das Schul– und Küsterhaus als Zweiständer-Hallenhaus wieder aufgebaut worden.

1852 erfolgte ein durchgreifender Umbau des Gebäudes, der sich prägend auf seine Gestalt auswirkt: So wurde z. B. das alte Kammerfach mit der Schul- und der Küsterwohnstube abgerissen und in deutlich vergrößerter Form neu errichtet, denn eine größere Schulstube war notwendig geworden. In diesem einklassigen Schulraum fand bis Ende des 19. Jahrhunderts der Unterricht für die Dorfkinder statt. Als 1892 die Schulnutzung in das östlich benachbarte Gebäude verlegt wurde, diente das Küsterhaus als Wohnhaus für Lehrer, Rektoren, Gemeindeschwestern oder Küsterinnen. So erinnert sich eine Alt-Wathlingerin noch an die Zeit um 1943/44: „Das Küsterhaus war damals das Haus von Schwester Hermine, der Diakonin in blauer Tracht mit weißer Schürze. Von ihr wurde im Dorf sehr respektvoll gesprochen. Wenn irgendetwas war, ob Verletzung oder Fragen, hieß es immer: ‘Geh zu Schwester Hermine!‘ … denn einen Arzt gab es hier noch nicht.“

2020 begann die Kirchengemeinde das Küsterhaus aus seinem Dornröschenschlaf aufzuwecken. Die Generalsanierung und der Umbau zu einem modernen Gemeindezentrum sind der Grundstein für ein lebendiges Gemeindeleben. Am 28. August 2022 wird das renovierte alte Küsterhaus in Anwesenheit des ev.-luth. Landesbischofs Ralf Meister im Rahmen eines Gemeindefestes eingeweiht. Über 60% der Baukosten hat der Kirchenkreis Celle übernommen, dann kamen Gelder von der Aktion Mensch, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, von dem staatlichen EU-Förderprogramm LEADER und aus dem Programm ZILE. Die Wathlinger Kirchengemeinde muss den Rest aufbringen und ist immer noch für jede Spende dankbar.

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