1000 Jahre Wathlingen: "Ein feste Burg"

(mt) Nicht nur unser Dorf hat 2022 etwas zu feiern, sondern auch unsere Dorfkirche. Sie wurde wohl vor 700 Jahren erbaut. Vermutlich gab es an dieser Stelle seit 1070 bereits eine erste Kirche aus Lehmfachwerk oder Holz, die aber keinerlei Spuren hinterlassen hat. Die gotische Backsteinkirche St. Marien ist nach dem Baubefund an dieser Stelle um 1322 errichtet worden. Aus dieser Zeit erhalten sind die Sakristei mit dem schönen Kreuzgewölbe und das Südportal mit mehreren übereinander liegenden Spitzbögen.

Zur Kirchenausstattung gehört ein um 1490 geschnitzter Flügelaltar. In seinem Schrein befindet sich ein Relief mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige, in den Flügeln sind die zwölf Apostel dargestellt, außen sind Szenen aus dem Leben Jesu gemalt. Gotische Wandmalereien aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, ein auf um 1500 datiertes Vortragekreuz, ein kleines Kruzifix vom Anfang des 16. Jahrhunderts und die Orgel mit barockem Prospekt von 1707 sind zu besichtigen. An den Langhauswänden gibt es drei Epitaphien: Das älteste von 1582 zeigt die Familien von Dageförde und von Heimbruch, auf dem zweiten von 1586 kniet Werner von Dageförde († 22. Februar 1586), das jüngste Epitaph von 1619 stiftete Ilse von Offensen, Priorin des Klosters Wülfinghausen († 1647), für ihren Bruder Franz Otto von Offensen.

Wie durch ein Wunder überstand die Kirche den großen Dorfbrand von 1695, der zwei Drittel des Dorfes zerstörte. Ein Jahr später wurde der Kammerjunker Werner Ludwig von Lüneburg mit dem Patronat über die Kirche belehnt. Dieses erbliche Recht wird heute von der Familie von Reden wahrgenommen. 1696 – 1704 wurde die baufällige Kirche verändert und dabei nach Westen erweitert (siehe Steintafel an der Südseite). 1816 stürzte das nachträglich eingebaute Chorgewölbe ein und zerstörte die Gruft unter dem Altarraum. 1972–74 wurde die Nordempore, die Patronatsprieche und Kanzel entfernt.

Die Reformation unter Herzog Ernst dem Bekenner, Fürst von Lüneburg, erlebte Wathlingen wie andere Orte im Fürstentum Lüneburg als typische landesherrliche Reformation, die sich ohne größere Kämpfe im Land durchsetzte. Seit Mitte der 1520er Jahre hatte Herzog Ernst in seiner Residenzstadt Celle die Reformation unterstützt und 1527 beschlossen die Landstände den Wechsel zum ev. Bekenntnis.

Als der Friedhof auf dem Kirchhof zu klein wurde, richtete die Kirchengemeinde 1908 an der Grenzstraße – damals noch am Dorfrand gelegen – den neuen kirchlichen Friedhof ein. Viel später kam der kommunale Friedhof hinzu.

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