1000 Jahre Wathlingen: Alles in Butter

(mt) Wer Wathlingen in Richtung Eicklingen über die Kreisstraße 58 verlässt, kommt kurz vor dem Ortsausgang an der Molkereistraße vorbei. Geht man diese Straße etwa 100 Meter hinein, steht man heute vor einem Wohnhaus, das durch seine straßenseitige lange Rampe auffällt: Die alte Molkerei.

Wie überall, wo Agrarreformen und neue Methoden in der Landwirtschaft zum Einsatz kamen, stiegen Ausgang des 19. Jahrhunderts auch in Wathlingen die Landwirtschaftserträge. Um ihre Milcherträge besser verwerten zu können, gründeten 79 Bauern aus Wathlingen und Nienhagen am 20. Mai 1889 die Wathlinger Molkereigenossenschaft. Im gleichen Jahr begannen die Bauarbeiten für die Molkerei, die mehrmals modernisiert wurde. In der Spitze lieferten Milchviehhalter aus 14 Ortschaften ihre Milch nach Wathlingen.

Die Molkerei bot folgende Produkte an: Voll-, Mager- und Buttermilch, süße und saure Sahne, Speisequark mit 40% Fett und Magerquark und vor allem Butter. Die Wathlinger Sauerrahmbutter war ein Premiumprodukt, denn sie gewann mehrfach Auszeichnungen unter anderem von der überregionalen Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG).

Nach dem 2. Weltkrieg ging es mit der Milchwirtschaft noch einige Jahre gut, aber der Strukturwandel in der Landwirtschaft leitete schließlich auch das Ende der Wathlinger Molkereigenossenschaft ein. Als sich in den 60er-Jahren auf dem Gebiet der damaligen 6 EWG-Staaten (den 3 BeNeLux-Staaten, Italien, Frankreich und Westdeutschland) Butterberge und Milchseen anhäuften, entschloss sich das Gut 1969, das Prämienangebot der EWG anzunehmen, seine 68 Milchkühe aufzugeben und die Produktion umzustellen. Andere Bauern folgten oder gaben ihre Höfe gleich ganz auf. Die Milchanlieferungen gingen zurück und die Geschäftslage der Wathlinger Molkerei verschlechterte sich zusehends.

Am 1.10.1974 fusionierte die schuldenfreie Wathlinger Molkerei mit der Central-Molkerei Celle GmbH. Gebäude und Grundstück wurden verkauft und zu Wohnungen umgebaut.

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