1000 Jahre Wathlingen: Wathlingens Eisenbahnzeitalter

(mt) Es war mehr als nur ein Herzenswunsch der Braunschweiger nicht den hannoverschen Eisenbahnknotenpunkt Lehrte passieren zu müssen, um die Häfen im Norden Deutschlands zu erreichen.

Nach längeren Vorverhandlungen wurde 1912 der Staatsvertrag zwischen Preußen und Braunschweig über einen Streckenbau Braunschweig-Celle unterzeichnet. Die Arbeiten am Bahnhofsgebäude und den Nebenbauten waren schon im August 1915 beendet, aber die Fertigstellung der Trasse verzögerte sich durch den Ersten Weltkrieg. Im September 1920 konnte der Streckenabschnitt Celle-Uetze über Wathlingen eröffnet werden. Die großzügige Trassierung war erkennbar an der fünfmaligen Querung der Fuhse zwischen Eltze und Wathlingen. 1923 war die gesamte Strecke fertiggestellt.

Bei aller Euphorie gab es auch Verlierer der Entwicklung: Die Postkutsche und der Omnibus stellten ihre Fahrten ein, die Frachtfahrer wurden endgültig brotlos. Gleichwohl ermöglichte der Eisenbahnanschluss es den Wathlingern bis Plockhorst zu fahren und dort in den Schnellzug nach Berlin (Lehrter Bahnhof) umzusteigen. Über diese Bahnverbindung soll auch mit dem täglichen Frühzug Gemüse aus der Region auf die Berliner Märkte gelangt sein.

Das Bild zeigt die letzten Gleisarbeiten vor dem Wathlinger Bahnhof. Die Bahnhofsgebäude wurden großzügig dimensioniert und waren nach einem einheitlichen Muster gebaut, daher gleichen sich die Bahnhofsgebäude in Wathlingen, Bröckel und Nienhagen wie ein Ei dem anderen. Jeder Bahnhof war für Personen– und Güterverkehr eingerichtet und mit mindestens einem Ladegleis ausgestattet.

Betriebswirtschaftlich erlangte die Strecke aber nie die erhoffte Bedeutung. 1971 wurde der Personenverkehr auf der Strecke Celle-Plockhorst eingestellt, der Güterverkehr über Wathlingen lief noch bis 1985 weiter. Heute ist die Strecke zurückgebaut. Der Radweg nach Celle folgt der alten Streckenführung.

Mit der Stilllegung und dem Streckenrückbau wurden auch die Bahnhöfe verkauft. Der Wathlinger wird als Wohnhaus genutzt. Der Nienhagener Bahnhof allerdings lebt als ehemalige Diskothek „Ninifee“ in den wildesten Jugenderinnerungen vieler mittelalter Wathlingerinnen und Wathlinger weiter.

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